Leute...

Kurz vor Sylvester 2009 hat sich Jonas endlich gemeldet. Er hat keine Perspektive in Ghana, denn er ist völlig mittellos, von der Familie verstoßen und ein soziales Netz, wie es bei uns existiert, gibt es dort nicht. Ich habe einen Brief an meine Freunde und Bekannten geschrieben und bitte um Unterstützung.

Wir haben eine konkrete Idee, wie wir Jonas helfen können, sich eine Existenz, die ihm den Lebensunterhalt sichert, in Ghana aufzubauen.  Vielleicht wollen Sie auch helfen oder Sie haben Erfahrungen, die uns nützlich sein können in diesem Zusammenhang. Darum veröffentliche ich diesen Brief:

Weiterlesen: Was Freundschaft wirklich wert ist

 

"Straßburg - Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat das Sorgerecht lediger Väter in Deutschland gestärkt. Die Bevorzugung von unverheirateten Müttern gegenüber den Vätern sei ein Verstoß gegen das Diskriminierungsverbot, heißt es in dem Urteil." Spiegel Online, 3.12.2009

"Berlin - Die Innenminister der Länder streiten weiterhin über das Bleiberecht geduldeter Ausländer. Die große Koalition hatte seinerzeit ein Gesetz verabschiedet, welches nun zum 31. Dezember 2009 ausläuft. Bis dahin müssen die rund 30 000 Betroffenen den Nachweis erbringen, dass sie ihren Lebensunterhalt selbst bestreiten können. Andernfalls droht ihnen die Abschiebung." Welt Online, 3.12.2009

 

Soweit die Theorie. Und nun das Leben, konkret. Zumindest ein Ausschnitt dessen: 2000 - 2008

Friedrichshagen 2002: Ein ca. 40 Jahre alter Mann, strahlendes Lächeln, weisse Zähne, groß gewachsen, charmant, einen kleinen, schwarzgelockten Jungen auf den Schultern tragend: So stand Jonas eines Tages in meinem Atelier und fragte nach Arbeit. Ein gelernter Herrenschneider, weitgereist, kreativ und motiviert. Er wohnte damals in Friedrichshagen, mit Frau und süßem Baby. Alles Bestens?

Jonas  kommt aus Ghana. Er hat mir mal gesagt, er wäre sehr verliebt gewesen, als er das Hochzeitskleid für seine künftige Frau, eine blonde Berlinerin, entworfen und selbst genäht hat. Ich habe die Fotos gesehen. Zu Hause in Ghana wartet ein 14 jähriger Junge bei seiner Oma in Ghana darauf, dass er seinem Vater nach Deutschland folgen darf.  Jonas wünscht sich einen Job, mit dem er genug verdient, um seinen afrikanischen Sohn herzuholen. Erst muss er nachweisen, dass er in der Lage ist, den Jungen zu versorgen. Nach deutschem Maßstab natürlich. Mittlerweile ist aus dem Jungen ein Mann geworden. Er wartet nicht mehr.
Das war vor 10 Jahren.

Weiterlesen: Satt und zufrieden in Deutschland

 

Kuschelige Farbenfreude für kalte Tage

Edel nimmt, was andere wegwerfen würden und zaubert daraus Farbenfreude und Wärme.
Modernes Recyling in alter Technik. Man nehme Schere, Faden, Nadel und lasse der Fantasie freien Lauf. Wer selbst ausprobiert ein Patchwork oder sogar ein Quilt zu nähen, der merkt, dass da noch mehr nötig ist: viel Geduld und sehr viel Fleiß. 

Edeltraud Lösch

Weiterlesen: Edel, die Flickenzauberin

 
 

Johannes Karl Gotthard Niedlich, Handzeichnungen. LebeWesen Ausstellung 2009

Freitag Abend in der Kleinstadt. Die zähflüssige Zeit zwischen Abendbrotkrümel wegwischen und Fernbedienung suchen. Man könnte  spazierengehen und Nachbarn zuwinken, bevor sich die Dämmerung über alles senkt. Aber die Fenster bleiben zu,  die Türen auch. Bürgersteige zum Hochklappen bereit. Kein Mensch, kein Hund, keine Maus.

Altlandsberg, Klosterstraße 12, Freitag, 4.September, 19:30 Uhr. Ich öffne das grün gestrichene, schwere Holztor. Heller Raum, warmes Licht, die Früchte des Sommers in Körben gesammelt, viele Stimmen,  Musik: Ich befinde mich wieder in der Welt der LebeWesen. Es ist das Haus des Künstlers Johannes Karl Gotthard Niedlich. (Siehe Artikel: Heuschrecke, Ratte, Hollunder und Huhn)

Johannes Karl Gotthard Niedlich, LebeWesen, Ausstellung 2009

Im Hof links an der Mauer entdecke ich eine Dame im olivgrünen, hautengen Outfit. Perfekt Ton in Ton gekleidet.  Mit übereinander geschlagenen Beinen und verschränkten  Armen, lehnt sie  leicht verknotet am Tischchen.  Irgendwann  löst sie sehr langsam ihre  Hand, reckt den Kopf eine Winzigkeit nach vorn, piekt den zarten Ellenbogen in die Tischplatte und berührt so graziös wie möglich mit der Fingerspitze das Kinn. Wartestellung. Ein süßes Lächeln in den Mundwinkeln, die rehbraunen Augen verfärben sich ins Giftig-Gelbe, der Blick wird  stechender, wenn da nicht dieses Lächeln wäre...  Du kannst den Blick nicht wenden, kannst Dich nicht mehr rühren, weißt nicht wohin. Du bist das Kaninchen vor der Schlange...

Johannes Karl Gotthard Niedlich, Ausstellung 4.9.2009, Altlandsberg

Die Lebewesen an den Wänden, in Bildern, Rahmen, Passepartouts, hinter Glas. Ungezähmt. Lebendig. Die Leute davor neugierig, staunend, belustigt, berührt, ergriffen, erfreut, bewundernd, wissend, unwissend. "Ein jedes Wesen findet sich im anderen wieder."  Lebewesen hinter Glas, Lebewesen davor. Wer betrachtet wen? Was berührt mich beim Anblick des Froschs, der selbstgefällig und breit herumlümmelt? Warum sehe ich eine blaue Weintraube an, als müßte ich mir für immer Farbe und Größe, Saft und Süße jeder Beere merken; als müsste ich mich an jede abgefallene, runzligen Beere erinnern, deren vertrockneter Stilansatz leer und verkrümmt ins Nichts ragt?

Johannes Karl Gotthard Niedlich, Frosch, Handzeichnung

Ein Abend im Getümmel des Ausstellungsfestes reicht nicht, um sich in all die Tieraugen zu versenken. Ich muss die Füßchen ansehen, die langen, viel zu dünnen Beinchen aufgeplusterter Vögel. Ich möchte begreifen, warum ich den Schmerz eines möglicherweise verletzten Pferdes zu empfinden glaube. Was weiß ich von den LebeWesen? Was interpretiere ich, was sehe ich? Schenkt der Künstler den Tieren und Pflanzen menschliche Eigenschaften, lässt er sie auf unserer Bühne tanzen?  Intepretiert er die Gestalten der Tiere ins menschliche Denken und Fühlen?  Ich kann es nicht trennen. Ich will es herausfinden.

Johannes Karl Gotthard Niedlich, Ausstellung 2009

Achtung vor allen Lebewesen und die Fähigkeit über sich selbst zu lachen? Vielleicht sind dies Zutaten, die nötig sind für solch ein Werk?

Johannes Karl Gotthard Niedlich, Handzeichnung

Danke für das 13. Ausstellungsfest bei und mit Johannes Karl Gotthard Niedlich! Danke für die Gastfreundschaft, für den Pflaumenkuchen, den Wein. Für mich war es das dritte, an dem ich teilnehmen konnte. Ich werde mich noch im Herbst zum Besuch anmelden, um diesen besonderen LebeWesen wieder zu begegnen und um ihr Geheimnis zu ergründen.

Johannes Karl Gotthard Niedlich, Ausstellung 4.September 2009, Altlandsberg

Anläßlich der Ausstellung konnten die Besucher ihre vorbestellten Kalender  für 2010  abholen und original Handzeichnungen erwerben.  Wer noch einen Kalender erwischen möchte, sollte sich schnell auf den Weg machen.  Mehr Informationen über Johannes Karl Gotthard Niedlich finden Sie auf seiner Website. www.niedlich.info

Johannes Karl Gotthard Niedlich, Ausstellungsfest 2009

 

Der Künstler Johannes Karl Gotthard Niedlich

Johannes Karl Gotthard Niedlich, Handzeichnung

 2007 im September habe ich ihn kennengelernt: Johannes Karl Gotthard Niedlich. Bei einer Freundin war mir die winzige Handzeichnung eines kleinen Vogels aufgefallen, äußerst filigran, präzise und lebendig. Ich empfand die Zerbrechlichkeit des kleinen Wesens, entdeckte so etwas wie Übermut und Spitzbübischkeit - war das der Vogel oder waren es menschliche Eigenschaften, die ich da wiederfand?
Marion, an deren Wohnzimmerwand das Bildchen hängt, kannte Johannes Karl Gotthard Niedlich persönlich und nahm mich mit auf das jährlich wiederkehrende Ausstellungsfest des Künstlers.

Weiterlesen: Heuschrecke, Ratte, Hollunder und Huhn

 
 

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noch schöner leben

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