Man trifft jeden mindestens zwei Mal im Leben....

Im Mai waren wir für ein paar Tage auf Usedom. Da fielen mir zuerst die Zink-Eimer auf. In Heringsdorf auf der Strandpromenade. Zwischen all den üblichen Verkaufsständen stand ein hübsches schneeweißes Zelt, davor waren Zink-Eimer aufgespießt und darin die herrlichsten farbigen Stoffe, zusammengeknüllt. Meine Kleider-Designer-Seele juchzte, ich musste hin und sehen, was es gab.
Lauter kleine Inszenierungen: Der Vamp, Madame, die Diva, Schmetterling und Mohnblüte!
Da waren nicht einfach Röcke, Hosen, Tops und Schals! Ich habe versucht der Sache auf den Grund zu gehen. Wie waren diese verrückten Drapierungen, diese äußerst schicken Faltenwürfe gesetzt, wie kamen diese üppigen und dabei so vorteilhaft wirkenden Stoffmengen in Form? Es ist nicht einfach, beim Design eines Kleidungsstücks bauschige Falten zu entwickeln, die trotz ihrer Fülle der Figur schmeicheln und dabei so locker wirken, als seien sie zufällig und natürlich entstanden.Potenzielle Kundinnen sollen natürlich eins: Kleider probieren und kaufen. Ich konnte meiner Neugier nicht widerstehen und musste alles gründlich untersuchen, von innen anschauen, auseinanderfalten um die Schnittformen ergründen. Das Ergebnis meiner Recherche: Eine verblüffend klare, fast simple Schnittform gepaart mit einer verwegenen Idee, lässt diese Teile wahlweise zu duftigen Sommerblüten, zum dramatischen Ereignis, zum dunklen Geheimnis oder zur lodernden Flamme werden. Fast alles ist miteinander kombinierbar, lässt sich durch Basis-Teile aus dem eigenen Kleiderschrank ergänzen. Kaufen, anziehen, in den Spiegel schauen und Spot an für den großen Auftritt!

Als wir vor zwei Wochen im August nach 4 Tagen Strampelei auf dem Berlin-Usedom-Radweg auf der Insel landeten, parkten wir unser Zelt die erste Nacht auf einem eher ungemütlichen Zeltplatz bei Ahlbeck. Direkt neben einem riesigen Wohnwagen. "Guck mal, die Leute haben sogar ihr Bügelbrett mit zum Camping genommen." sagte ich zu Frank. Am nächsten Morgen kam der Wohnwagenbesitzer gut gelaunt vorbei und erzählte, dass er nicht "zum Spaß" hier sei, sondern dass seine Frau eine Kleidermacherin sei und in Ahlbeck einen Stand auf der Strandpromenade hätte. Ich musste sofort an die "Eimer-Kleider" denken! Ja, sie war es! Sabine Wagner. Die Frau, die aus vierreckigen Stoffstücken extravagante Mode zaubert. Wir machten uns miteinander bekannt und ein paar Stunden später standen wir wieder in ihrem weißen Zelt mit den Eimern am Eingang. Wir haben uns dann noch öfter getroffen auf der Insel, ein wenig gefachsimpelt und gestaunt, wie viele Zufälle und Gemeinsamkeiten es so geben kann. (Es gab eine Menge, aber die sind geheim ;-).
Sabine Wagner kommt aus Hamburg und arbeitet seit März 2008 in Worpswede. Dort können Sie Ihre Kleider kaufen. Aber es gehört schon etwas Glück dazu, sie dort anzutreffen. Wenn Sie ihre Kleider anprobieren und kaufen möchten, müssen Sie ihr am besten hinterher reisen. Im Sommer meist ans Meer. Suchen Sie die Zink-Eimer, dann finden Sie ihren Verkaufsstand sofort! Auf ihrer Website finden Sie die Orte und Termine der nächsten Veranstaltungen. Weil Sabine Wagner soviel unterwegs ist, näht sie, auch wenn sie nicht in Worpswede in ihrer Werkstatt sitzt, abends nach anstrengendem Strandpromenaden-Hitze-Tag im Wohnwagen. Und deshalb steht davor ein Bügelbrett....